Bayern: Wissenschaftliche Aspekte der Coronakrise

Im Kampf gegen die Corona-Epidemie sollen nun die wissenschaftlichen Kompetenzen stärker gebündelt werden. Daher wurde nun in Bayern ein spezielles Forschungsprojekt auf den Weg gebracht und auch ein Expertenrat etabliert. Weitere Details erläuterte heute Vormittag Bayerns Ministerpräsident Dr. Markus Söder (CSU).

Doch zu Beginn der Pressekonferenz machte der Ministerpräsident noch einmal die Wichtigkeit der getroffenen Maßnahmen und den Bedarf an der Wissenschaft deutlich. Denn, so Söder: „Die Zahlen der Corona-Infizierten steigen weiter an, jeden Tag“. Demnach gebe es keinen Anlass zur Entwarnung – betonte der Ministerpräsident. Jedoch sei ein leicht positiver Trend erkennbar, die Kurve flache leicht ab. „Das heißt, die Maßnahmen, die wir getroffen haben, beginnen zu wirken“, so sein Fazit.

Doch noch verdoppelt sich laufend die Zahl der Infizierten. Lag die Verdoppelungsrate bis zum Tag der Schulschließungen bei 2,5 Tagen und bis zum Tag der Ausgangsbeschränkungen bei 3,8 Tagen, so habe sich nun die Verdoppelungsrate auf über 6 Tage verlängert. Das reiche aber noch nicht. Der Trend sei erkennbar, es gebe keinen Grund zur Entwarnung, so Söder.

Ziel sei es, Corona langfristig in den Griff zu bekommen, deswegen bündle man nun die gesamten medizinischen Kompetenzen. Dafür sollen nun hochwertige Intitute und Erfahrungen stärker an einem Strang ziehen. Sie sollen so neue Erkenntnisse bringen, die bayerische Situation abbilden und in Relation mit anderen Regionen bringen, Bestandteil eines internationalen Netzwerkes zu sein und bei der Entscheidung helfen, wie es weiter geht.

Dafür wurde nun ein spezielles Forschungsprojekt auf den Weg gebracht und es soll zudem ein Expertenrat, ein „medizinisch-wissenschaftliches Corona-Team“ etabliert werden, welcher zur täglichen und langfristigen Perspektive beraten soll.

Das Forschungsprojekt solle konkret in München mit dreitausend Personen gestartet werden. Dieses Projekt solle vergleichbar mit dem in Hainsberg sein, jedoch größer und speziell auf die bayerische Situation abgestimmt. Es soll nicht nur eine Untersuchung geben, sondern in mehreren Regionen Bayerns, um so eine breitere Basis zu haben. Insgesamt sollen 100 Wissenschaftler und auch Medizinstudenten dabei eingebunden werden, diese könnten bereits heute loslegen. Bereits in wenigen Tagen erwarte man die ersten Ergebnissse, so Söder. Angelegt sei das Forschungsprojekt auf ein Jahr, um dauerhalfte Erkenntnisse zu erzielen – auch wenn sich bis dahin die Situation verbessert habe.

Der Expertenrat bestehe aus unter anderem Virologen, Epidimologen und praktischen Medizinern. Es gehe dabei entscheidend darum, Rat zu haben, Hilfe und Expertisen zu haben, die sich zum Beispiel zusammensetzen aus Experten der TU München, aus den Bereichen Hygiene, Mikrobiologie, Versorgungsforschung, Intensivmedizin oder auch aus beispielsweise dem Klinikum Schwabing Experten, um auch praktische Auswirkungen zu sehen.

Weitere Details gab es bei der Pressekonferenz unter anderm auch von Wissenschaftsminister Bernd Sibler und von zwei renommierten Wissenschaftlern.

Das Forschungsprojekt in München solle wichtige Antworten auf die Fragen, wie viele zum Beispiel bereits infiziert waren, oder wie die Verbreitungswege aussehen, geben, erläuterte Prof. Michael Hoelscher, der Leiter der Abteilung Infektions- und Tropenmedizin am Klinikum Universität München. In den nächsten vier Wochen sollen Haushalte in München stichprobenartig ausgewählt werden und dort mit Einwilligung Blut abgenommen werden, drei Wochen danach wird es eine erneute Blutabnahme geben, um so medizinische Daten zu sammeln, wie beispielsweise Antikörper. Dies werde mit Polizeibegleitung von Statten gehen, damit die Bürger versichert sind, dass es sich um eine offizielle medizinische Studie handelt und um keine Betrügerei. Es soll so die Dynamik des Infektionsgeschehens erforscht werden, deswegen werden die Getesteten mehrfach besucht. Ziel ist es herauszufinden, wie wirksam die Maßnahmen sind und wie sich die Epidemie entwickelt.

(nh)