Burglengenfeld: Wirtschaftsforum versendet offenen Brief

Das Wirtschaftsforum Burglengenfeld hat sich mit einem offenen Brief an Ministerpräsident Markus Söder und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger gewendet.

Das Wirtschaftsforum hofft, dass der Hilferuf in die Entscheidungen der kommenden Woche miteinfließt. Das Original wurde gestern versendet. Darin steht Folgendes:

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Dr. Markus Söder,
sehr geehrter Herr Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger,

wir wenden uns heute mit einem Hilferuf an Sie!

Das Wirtschaftsforum Burglengenfeld e.V. (Wifo) vertritt seit 25 Jahren die Gewerbetreibenden der Stadt Burglengenfeld.
Wir zählen knapp 100 Mitglieder darunter Gastronomen, Einzelhändler, Dienstleister, Handwerker und
Ärzte gleichermaßen zu unseren Mitgliedern und können stolz von über 200 Millionen Euro Jahresumsatz, 100
Ausbildungsplätzen und über 600 Arbeitsplätzen sprechen, die unsere Mitglieder bieten. Und nicht nur das. Wir gestalten
unsere Altstadt zusammen mit anderen Aktiven via Aktionen, Feste, Kultur und Familienangeboten zu einem
Ort der Begegnung, in dem man wohnen, leben, arbeiten und natürlich einkaufen möchte. In diesen Zeiten setzen
wir auch einheitliche Sicherheits- und Hygienemaßnahmen um und kommunizieren diese an die Bürgerinnen und
Bürger. Mit vielen liebevoll gestalteten Gemeinschaftsaktionen ist es uns gelungen, im Gegensatz zu vielen anderen
Kleinstädten, einen aktiven Stadtkern zu erhalten. Doch jetzt bricht uns der Boden unter den Füßen weg, Unmut
und Ungerechtigkeit machen sich breit.

Auch Sie, Herr Ministerpräsident, haben schon oft betont wie wichtig der stationäre Handel für kleinere Städte ist.
Das freut uns natürlich zu hören. Allerdings steht dies leider konträr zu den Auswirkungen einiger Corona-Maßnahmen,
die zunehmend auf Unverständnis der Gewerbetreibenden stoßen. Warum kann man bei Müller, Real, Aldi
und Co. uneingeschränkt Spielwaren, Mode und Bücher kaufen, während unsere Spezialisten vor Ort ihre kleinen
überschaubaren Läden schließen müssen? Wieso sollte ein Bummel durch die Modeabteilung bei Real oder Globus
weniger gefährlich sein als ein Einkauf im Modehaus Karl vor Ort? Warum sollte der Spielzeugkauf beim Drogeriemarkt
Müller weniger gefährlich sein, als der bei unserem Familienbetrieb Spielwaren Nußstein? Das sind nur
wenige Beispiele, die Liste ließe sich fortsetzen.

Müsste es nicht eigentlich sonnenklar sein, dass Hygienekonzepte und Abstandsregeln in kleineren Läden viel
besser umgesetzt werden können? Mit viel Zeit und Geld haben wir uns gemeinsam an die Regeln gehalten. Zur
Belohnung leben wir nun in einer Geisterstadt und mit jedem Tag, den die Maßnahmen andauern, wird die Wahrscheinlichkeit größer, dass dies auch nach dem Lockdown so bleiben wird. Wir haben viele Mitglieder, die nicht
wissen, wie sie die nächste Miete bezahlen, wovon sie neue Ware einkaufen sollen oder ob es noch Sinn macht,
wieder zu öffnen. An dieser Stelle vielen Dank für die Überbrückungshilfen und einem Stück Solidarität. Die Hilfen
kommen jedoch teils viel zu spät und Click & Collect braucht keine attraktiven Schaufenster und teure Innenstadtmieten.
Jene, die sich bemühen überhaupt noch Umsatz zu machen, fallen schnell aus dem Raster der Hilfen. Besonders
kleine, aber ebenso wertvolle Geschäfte haben auf Grund der Steuersituation und dem fehlenden Speck
ernsthafte Probleme. Die Verlängerungstaktik und Ungewissheit schafft mehr Unmut wie sie denken.

Es treten langfristige Schäden ein und unser Zentrum wird bald -auch nach Corona- kein heller, belebter Ort der
Begegnung mehr sein. Firmen, die auch die Vereine unterstützt haben, in denen die Kinder unserer Stadt sportlich
oder musisch aktiv waren, Arbeits- und Ausbildungsplätze und von uns initiierte und teils auch finanzierte Maßnahmen
zur Belebung der Innenstadt sind am Versiegen, am Abgrund. Burglengenfeld ist nur eine Kleinstadt mit rund 14.000 Einwohnern, aber aus vielen Gesprächen wissen wir: Wir stehen hier für beispielhaft für viele, wenn
nicht gar alle Städte in Bayern.

Es macht sich Panik breit! Bloßes Hoffen auf bessere Zeiten und Vertrauen auf die Politik und die Zahlung von Unkostenbeiträgen, heißt für uns de facto hilflos zu sein. Es ist die Angst ums Überleben! Gesunde Betriebe, die teils
bereits in der 3. oder 4. Generation inhabergeführt arbeiten, stehen kurz vor dem Kollaps, während Großbetriebe
mit einer starken Lobby von den Maßnahmen profitieren und selbst aus einer lebensbedrohlichen Pandemie
Kapital schlagen können. Auch das Konsumverhalten ändert sich generell, was man nicht zu letzt an dem Milliardenumsatzzuwachs von Amazon (+43%) sieht, die hier keine Arbeitsplätze, Ausbildungsplätze, Praktikumsplätze,
Gewerbe- und Einkommensteuern hinterlassen. Auch im Sinne unserer Stadt – für Verwaltung und Stadtrat – brauchen
wir Perspektiven und ein Zeichen in die Zukunft investieren zu können.
Hier besteht Handlungsbedarf! Dringend!

Österreich macht es uns aktuell vor: Langsames und kontrolliertes Öffnen der Geschäfte unter höchsten Hygienestandards und Testmöglichkeiten in den Betrieben. Dies wäre möglich und zumindest ein positives Signal, auf das
wir alle dringend warten.

Geben Sie den Kommunen und engagierten Gewerbevereinen Mittel für Personal und Umsetzung an die Hand, um
langfristige, sichere Konzepte für die Innenstädte auf die Beine stellen zu können. Jene Innenstädte, die Teil unserer
Gesellschaft und Authentizität sind.

Wir fordern und wünschen uns mehr Gerechtigkeit für den Handel! Unsere Innenstädte müssen lebendig bleiben!
Geben Sie uns eine Perspektive!

Herzliche Grüße

Benedikt Göhr        Melanie Röhl           Wolfgang Dantl
1. Vorsitzender      2. Vorsitzende          Citymanager

(vl)