Hirschau
Ein Müller, die Schweden und ein Mühlstein: Die Legende der Hohen Marter von Hirschau
Eine fast 400 Jahre alte Legende rankt sich um ein Marterl gleich außerhalb von Hirschau. Einem alten Müller soll damals ausgerechnet ein Mühlstein das Leben gerettet haben. Wir sind den Spuren der Legende auf den Grund gegangen.
Wer regelmäßig zwischen Amberg und Hirschau unterwegs ist, dürfte es schon einmal gesehen haben: Ein kleines Marterl steht am Straßenrand, nicht weit außerhalb von Hirschau. Was viele nicht wissen: Dahinter steckt eine Legende aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges.
Ein gewisser „Oberer Müllner“ soll die Säule damals errichtet haben – nach einer schicksalhaften Begegnung mit schwedischen Truppen. Der Legende zufolge verfolgten die Soldaten den Müllner, als dieser auf seinem Wagen einen neuen Mühlstein transportierte. Kurz vor den Stadttoren fasste dieser einen schweren Entschluss: Damit der Müllner schneller in Sicherheit gelangen könnte, warf er den wertvollen Mühlstein vom Wagen und ließ ihn an Ort und Stelle liegen.
Dort blieb er auch bis zum Ende des Krieges. Um seinen Dank dafür auszudrücken, dass er mit dem Leben davon kam, kehrte der Müllner zurück und errichtete am Ort des Geschehens eine „Hohe Marter“ – einen großen Bildstock. Bis heute steht er an derselben Stelle, nur einmal wegen Straßenarbeiten neu aufgebaut. Auch ein massiver, runder Stein liegt dahinter, halb im Boden versunken. Ob es tatsächlich der ursprüngliche Mühlstein ist, darüber gehen die Meinungen jedoch auseinander.
Hirschau im Dreißigjährigen Krieg
Die Legende erzählt von einer Zeit, in der Hirschau schwer unter dem Krieg zu leiden hatte. Die Stadt lag an der Goldenen Straße und wurde immer wieder von durchziehenden Truppen heimgesucht. Zwar blieb Hirschau als Ganzes von der Zerstörung verschont, doch die rund 600 Einwohner hatten es nicht leicht.
Viele Handwerker verloren durch Plünderungen ihre Lebensgrundlage. Auch die Pest suchte die Stadt heim. Am Ende des Krieges lebten in Hirschau weniger als halb so viele Menschen wie noch 30 Jahre zuvor.
Heute sind nur noch wenige Spuren dieser Zeit zu erkennen. Mehrere Stadtbrände haben im Laufe der Jahrhunderte vieles zerstört. Der historische Aufbau der Innenstadt und einige verwinkelte Gässchen sind jedoch geblieben. Und auch das kleine Marterl am Straßenrand erinnert bis heute an eine bewegte Epoche der Oberpfälzer Geschichte.
(sb)