Amberg
Von Hollywood in die Oberpfalz: Ein Blick hinter die Kinoleinwand
Von der großen weiten Welt in die Oberpfalz – die Bilder, die bei uns auf der Kinoleinwand laufen, müssen oft einen langen Weg zurücklegen. Wir zeigen, wie die letzten Meter dieses Wegs ausschauen, und was im Kino hinter den Kulissen alles passiert.
Für die Kinogäste ist es ein vertrauter Moment: Das Licht geht aus, die Leinwand wird hell und der Film beginnt. Was im Hintergrund alles passieren muss, damit das auch klappt, bleibt dagegen meist unsichtbar. Im Cineplex Amberg sorgt ein ausgeklügeltes Zusammenspiel aus Servern, Projektoren und Technik dafür, dass die Filme zuverlässig auf der großen Leinwand landen.
Vom Filmverleih ins Kino
Bevor ein Film überhaupt im Kinosaal zu sehen ist, landet er zunächst im Serverraum des Kinos. Theaterleiter Stephan Götz-Kräußl stimmt sich mit den Filmverleihern ab und legt fest, welcher Film zu welcher Zeit in welchem Saal läuft. Die Verleiher, die die großen Filmstudios repräsentieren, überspielen den Film dann mittlerweile meist online. Oft kommt dabei mehr als ein Terrabyte für einen einzelnen Film zusammen. In wenigen, handverlesenen Kinos gibt es aber auch noch richtige Filmrollen, die von den Studios kopiert und um die Welt geschickt werden.
Ist das Filmmaterial auf dem Cineplex-Server angekommen, lässt es sich aber nicht einfach so ansehen. Die Dateien sind mit einem digitalen Sabotageschutz gesichert. Erkennt er einen unerlaubten Zugriff, fährt sich das gesamte Kinosystem automatisch herunter. Damit der Film tatsächlich abgespielt werden kann, benötigt das Kino den passenden Schlüssel. Dieser enthält den Code des Servers und des Filmprojektors, oft auch noch eine bestimmte Uhrzeit, zu der der Film gespielt werden soll.
Versteckt zwischen den Sälen
Die Projektoren stehen in engen Technikräumen zwischen den Kinosälen. Die Abläufe in den Sälen laufen mittlerweile weitgehend automatisch. Ein kleiner Laptop, der sich hoch oben im Technikraum befindet, übernimmt die Steuerung. Er sorgt dafür, dass zur richtigen Zeit beispielsweise der Projektor startet, das Saallicht gedimmt wird und die Vorführung entsprechend dem festgelegten Ablauf beginnt. Nur einmal pro Woche muss der Laptop mit den aktuellen Daten aktualisiert werden. Ein Techniker steht trotzdem jederzeit bereit, falls mal etwas schieflaufen sollte.
Besonders bei älteren Filmen, etwa für die Kult-Sneak, kommen auch Blu-rays zum Einsatz. Die werden im Cineplex sogar über eine Playstation abgespielt. Der Grund: Die Tonverarbeitung der Playstation sei besser als die von herkömmlichen Blu-ray-Playern, erklärt Stephan Götz-Kräußl.
Kein gewöhnlicher Beamer
Das Herzstück der Projektion ist schließlich der Projektor. In Kino 1 steht ein besonders leistungsfähiges, neues Modell. Der Anschaffungspreis liegt im sechsstelligen Bereich. Mit einem klassischen Beamer fürs heimische Wohnzimmer hat die Technik nur wenig gemeinsam. Durch Lasertechnik wird ein extrem helles Licht erzeugt – bei älteren Modellen oft auch noch mit einer Xenon-Lampe. Die dabei erzeugte Hitze ist enorm: jeder Projektor hat seinen eigenen Anschluss an das Lüftungssystem des Kinos.
Der Kinobesuch ist für viele längst mehr als nur das Anschauen eines Films. Das Kino soll zum Erlebnis werden. Damit dieses Erlebnis möglichst reibungslos funktioniert, arbeiten hinter den Kulissen zahlreiche Menschen und Systeme zusammen – im Idealfall so, dass davon niemand etwas mitbekommt.
(sb)