Oberpfalz: 61 Prozent der Schulen für Distanzunterricht gewappnet

Zu einem offenen Austausch zur digitalen Bildung in der Oberpfalz hat Regierungspräsident Axel Bartelt eingeladen. Mit einem virtuellen Runden Tisch ist er mit Akteuren aus Schulen, Kommunen und Wirtschaft ins Gespräch gekommen. Ein Ergebnis: Mehr als 61 Prozent der Schulen sind für den Distanzunterricht gewappnet.

Wie steht es um die digitale Bildung in der Oberpfalz? Eine drängende Frage, nicht erst seit der Corona-Pandemie. Um sich einen Überblick über die Situation aus verschiedenen Blickwinkeln zu verschaffen, lud Regierungspräsident Axel Bartelt ein breit aufgestelltes Teilnehmerfeld aus Schulpraxis, Kommunen und Wirtschaft zu einem virtuellen Runden Tisch. Mit dabei: Bezirkstagspräsident und Landrat des Landkreises Cham Franz Löffler, der Landrat des Landkreises Amberg-Sulzbach und Sprecher der Oberpfälzer Landräte, Richard Reisinger, Martin Birner, Erster Bürgermeister der Stadt Neunburg v. Wald und Mitglied des Präsidiums des Bayerischen Gemeindetages, der Hauptgeschäftsführer der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim, Dr. Jürgen Helmes sowie der Hauptgeschäftsführer der HWK Niederbayern-Oberpfalz, Jürgen Kilger. Einen Einblick in die digitale Schulpraxis boten die Schulleitungen Britta Büchau (Blindeninstitut Regensburg), Susanne Muffert (Grund- und Mittelschule Teublitz) und Siegfried Zistler (Staatliche Berufsschule Cham).

Es war ein offener Austausch, bei dem zunächst die Schulleitungen den Stand der Digitalisierung an ihren Einrichtungen vorstellten, in dessen Rahmen aber auch das oberpfalzweit bereits Erreichte sowie der bestehende Nachholbedarf beim Thema digitale Bildung diskutiert wurde. „Digitalisierung ist das gesamtgesellschaftliche Zukunftsthema Nummer eins – und das schon lange bevor die Corona-Pandemie das Brennglas darauf gerichtet, das Tempo beschleunigt und die Dringlichkeit verschärft hat“, betonte Regierungspräsident Axel Bartelt. Insbesondere im Bereich der Schulen seien die Herausforderungen mit dem Wechsel von Präsenz-, Distanz- bzw. Hybridunterricht oft von heute auf morgen verstärkt worden. „Wir wollten mit diesem Austausch einen ehrlichen, keinen geschönten Blick auf die Lage der Digitalen Bildung in der Oberpfalz werfen. Denn es geht um nichts weniger, als darum, unsere Schülerinnen und Schüler auf die digitalen Herausforderungen der Zukunft, auf die Teilhabe an der zunehmend digitalisierten Gesellschaft und der ‚Arbeitswelt 4.0‘ vorzubereiten.“

Digitale Infrastruktur: Großes Interesse der Oberpfälzer Schulen
Der erste Blick auf die Fakten unterstreicht eine grundsätzlich positive Tendenz: Von den 465 öffentlichen Schulen in der Oberpfalz sind 285 und damit über 61 Prozent mit gigabitfähiger – und damit mit für den Distanzunterricht notwendiger – Infrastruktur erschlossen, davon wiederum 120 (26 %) mit FTTB (fibre to the building), also Glasfaseranbindung an das Gebäude (vgl. Bayern: 23%). Alle 345 öffentlichen Schulen, die über noch keine FTTB-Erschließung verfügen, nehmen an der Glasfaser/WLAN-Richtlinie (GWLANR) teil bzw. haben beim Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung (LDBV) Interesse daran bekundet.

Bei der WLAN-Abdeckung aller Klassenzimmer einer Schule, nimmt die Oberpfalz mit 38,3 Prozent (220 Schulen) einen Spitzenplatz im Freistaat ein. Insgesamt konnte die digitale Ausstattung in den Klassenzimmern im Vergleich zum Vorjahr noch einmal deutlich gesteigert werden. So wuchs der Anteil der Klassenzimmer mit Beamer bzw. Großbildmonitor auf 78 Prozent (2019: 68 %), mit DokuCam auf 72 Prozent (2019: 61 %) sowie mit WLAN auf 50 Prozent (2019: 37 %). Die Anzahl der sogenannten „digitalen Klassenzimmer“ stieg auf 35 Prozent (2019: 23%). Von fast 10.800 Klassenräumen verfügen lediglich rund 520, das entspricht 4,8 Prozent, über keinen Internetanschluss.

Digitaler Unterricht: Mehrwert der Darstellungsformen
Neben den technischen Voraussetzungen bildet einen ganz wesentlichen Bestandteil der Digitalen Bildung der entsprechende Unterricht, der einen entscheidenden Mehrwert bieten und keinen bloßen Ersatz bislang analoger Darstellungsformen darstellen soll. Dafür stehen den Schulen auf Ebene der Oberpfalz 19 sogenannte „Berater digitale Bildung“ zur Seite, die bei der Gestaltung des digitalen Wandels mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten (medienpädagogisch, informationstechnisch) unterstützen. Zentral dabei ist der Ausbau der Methodenkompetenz. Auf Schülerseite geht es u.a. zum einen um das Lernen vom Umgang mit Medien und Technik, zum anderen um das Lernen über Medien, wie zum Beispiel die Themen Datenschutz und Urheberrecht. Auf Lehrerseite stehen umfassende Fortbildungsmaßnahmen, insbesondere zur didaktischen Umsetzung der Digitalisierung und entsprechender Inhalte. Ziel ist es, die Schulen bei der Erstellung von Medienkonzepten zu unterstützen.

„Der virtuelle Runde Tisch hat uns auch dank der fachlichen Vielfalt der Teilnehmer noch einmal deutlich vor Augen geführt, wie komplex und vielschichtig das Thema Digitale Bildung ist. Es wurden aber auch einige Schwachstellen besprochen, an denen wir weiter gemeinsam arbeiten wollen und müssen“, resümiert Regierungspräsident Bartelt. „Als Prozess, der die Digitalisierung nun einmal ist, werden wir unsere Ziele nicht von heute auf morgen, aber mit vereinten Kräften schnellstmöglich erreichen.“

Bezirkstagspräsident Franz Löffler
macht deutlich: „Digitalisierung ist für den Bezirk Oberpfalz wie auch für den Landkreis Cham Standortfaktor und Zukunftssicherung.“ Rund 160.000 Euro investiert der Bezirk in seine Bildungseinrichtungen, mit dem Eigenbetrieb „Digitale Infrastruktur“ baut der Landkreis Cham flächendeckend ein eigenes Glasfasernetz auf.

Landrat Richard Reisinger betonte: „Der Ausbau der digitalen Bildungsinfrastruktur ist der kommunalen Familie ein echtes Herzensanliegen. Landräte, Oberbürgermeister und Bürgermeister bemühen sich in Zusammenarbeit mit Bund und Land redlich, stetig voranzukommen, um den steigenden technischen Anforderungen gerecht zu werden. Klar ist uns aber auch, dass wir da nachhaltig mit langem Atem operieren müssen, da es schon noch viele Baustellen gibt, die während des pandemiebedingten Distanzunterrichts schmerzlich sichtbar wurden.“

IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes ergänzte, dass Digitale Bildung in der beruflichen Bildung einen wichtigen Stellenwert einnehme und nicht nur ein Thema für die Schulen sei. Aus diesem Grund brachten die bayerischen Industrie- und Handelskammern gemeinsam mit dem Bayerischen Wirtschaftsministerium eine digitale Qualifizierungsoffensive für betriebliche Ausbilder auf den Weg. „Der Stellenwert und die Rolle der 45.000 betrieblichen IHK-Ausbilderinnen und Ausbilder in Bayern ist vergleichbar mit den Lehrkräften an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen“, so Helmes.

Jürgen Kilger, Hauptgeschäftsführer Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, unterstrich: „Generell gehört die Digitalisierung längst zum beruflichen Alltag eines Handwerkers, Tendenz steigend. So nimmt natürlich auch das Thema Digitale Bildung im Handwerk immer mehr Fahrt auf. Auffallend ist, wie schnell und motiviert sich die jungen Leute auf neue digitale Anwendungen und Techniken in ihrem Fachbereich einlassen. Das kann man eindeutig als Chance sehen. Andererseits müssen wir auf diesem Weg auch wirklich jeden mitnehmen: Der Umgang mit digitalen Medien darf keineswegs Berührungsängste bei Jugendlichen erzeugen. Je praxisnäher er geschieht, desto besser.“

Der Runde Tisch soll im nächsten Jahr fortgesetzt werden, um weitere Fortschritte bei der Digitalen Bildung im Blick zu behalten.

(vl)