Amberg

Raum für trauernde Menschen in der Paulanerkirche

Tod und Trauer betrifft uns früher oder später alle. Der Tod ist schließlich unausweichlicher Teil des Lebens. Trotzdem kann Trauer manchmal nur schwer auszuhalten sein. Zum Beispiel, wenn Eltern Kinder verlieren oder sich Angehörige das Leben nehmen. Wie dann mit diesem Tod umgehen, wie danach weitermachen? Für betroffene Trauernde kann das extrem schwer sein. Genau solche Menschen will die Amberger Paulanerkirche dieses Wochenende einladen – und ihnen einen Raum geben, in dem man nicht so tun muss, als wäre alles okay.

Der Trauer Raum geben

„Liebe Miriam, immer wieder frage ich mich: Was wäre denn, wenn du nicht gestorben wärst? Wie wärst du heute mit 10 Jahren? Wie würde sich dein Lachen anhören und wie deine Wut? Was würdest du lieben und was blöd finden? Dass ich all das nie wissen werde, macht mich traurig.“ Worte, die eine Tante an ihre verstorbene Nichte richtet. Sie hat sie im Kondolenzbuch niedergeschrieben, das aktuell in der Paulanerkirche in Amberg ausgelegt ist.

Bis Sonntag soll die Kirche ein Platz zum Trauern sein. Ein Ort, an dem Trauer bewusst Raum bekommt. Die Idee dazu kommt von Ute Schieder, der Leiterin von Donum Vitae in Amberg. „Vor zwei Jahren hat es angefangen, dass wir sehr viele Eltern mit Totgeburten in der Beratung hatten“, erklärt sie den Hintergrund. „Und in solchen Fällen ist es sehr wichtig, den Eltern irgendwas an die Hand zu geben, irgendetwas Kreatives. Damit sie ihre Trauer verarbeiten können. Und damit kam die Idee auf, dass wir gemeinsam diese Ausstellung auf den Weg bringen.“

Kleine Rituale sollen helfen, die Trauer auszudrücken

Die Ausstellung trägt den Namen TrauerRaum. Sie richtet sich an Menschen, die stark mit einem Verlust zu kämpfen haben. Zum Beispiel die Angehörigen von Selbstmordopfern. Oder auch Eltern von Sternenkindern. Also Kindern, die noch im Mutterleib, während der Geburt oder kurz danach gestorben sind. Diese Eltern kämpfen oft mit einer großen psychischen Last – die für die Außenwelt aber unsichtbar ist. „Diese Schwangerschaft wurde nie gesehen. Die Elternschaft wurde nie gesehen.“ Diese Menschen würden sich oft als „unsichtbare Eltern“ fühlen, so Schieder. „Und hier in der Ausstellung machen wir sie sichtbar.“

Zum Beispiel dadurch, dass die Namen von den Verstorbenen niedergeschrieben werden. Oder in ihrem Gedenken eine Kerze angezündet wird. Betroffene haben die Möglichkeit, miteinander oder mit den Seelsorgern in der Kirche in Kontakt zu kommen und über den Verlust zu sprechen. All das soll bei der Bewältigung der Trauer helfen. „Wir hoffen, hier kleine Rituale anbieten zu können, die dann ein Stück weit helfen, etwas auszudrücken oder zu sortieren im Inneren“, so Pfarrerin Theresa Amberg von der Paulanergemeinde.

„Bei uns muss man nicht funktionieren“

In die Tat umgesetzt haben den Trauerraum Donum Vitae, der Frauenbund Aschach-Raigering und die Paulanergemeinde gemeinsam mit betroffenen Eltern. Ute Schieder und Pfarrerin Theresa Amberg betonen: Auch abseits vom Trauerraum stehen die Beratungsstelle und Pfarrerinnen und Pfarrer immer als Ansprechpartner für Trauernde zu Verfügung. Sie wissen, wie wichtig es ist, Trauer zuzulassen.

„Ich habe das Gefühl, nach einer gewissen Zeit gibt es die Erwartung, dass Trauernde zu einem Normalzustand zurückkehren sollen. Und ich glaube, dass diese Erwartung zu der eigentlichen Trauer noch dazukommt und dann jemanden, der trauert, vereinsamen lässt.“, beschreibt Pfarrerin Amberg ihren Eindruck. „Normalerweise ist es so, dass man nach dem Verlust wieder in die Arbeit geht. Funktionieren muss. Und bei uns darf man tatsächlich einfach nicht funktionieren.“, bekräftigt auch Ute Schieder.

Der TrauerRaum hat bis Sonntag täglich geöffnet. Am Freitag und Samstag schließt die Ausstellung mit einer kurzen meditativen Abendliturgie um 19 Uhr und am Sonntag ist um 9:30 ein Abschlussgottesdienst.

(az)

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