
Grafenwöhr
Außergewöhnliche Natur und die Spuren von Haag: Besuch einer Staatssekretärin am Truppenübungsplatz Grafenwöhr
Beim Besuch von Staatssekretärin Martina Englhardt‑Kopf auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr haben wir uns gemeinsam mit dem Bundesforstbetrieb auf die Spuren des verschwundenen Dorfes Haag begeben und uns angeschaut, wie sich die Natur dort heute entwickelt.
Zwischen stillen Waldflächen und staubigen Wegen liegt ein Ort, den es offiziell nicht mehr gibt: Haag, einst Heimat der Vorfahren der parlamentarischen Staatssekretärin Martina Englhardt‑Kopf, verschwand wie rund siebzig weitere Dörfer, die Anfang des 20. Jahrhunderts dem Ausbau des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr weichen mussten. Heute erinnern nur vereinzelte Grabsteine am ehemaligen Friedhof an die Menschen, die hier lebten. Englhardt‑Kopf spricht von einem kaum vorstellbaren Gefühl, wenn man begreift, dass Familien damals plötzlich ihre Heimat verlassen mussten. Das Gelände am Truppenübungsplatz gehört inzwischen zum Bundesforstbetrieb Grafenwöhr, der die weitläufigen Wald‑ und Offenlandflächen betreut und die ökologische Entwicklung überwacht. Damit die Arbeit sicher bleibt, informiert das US‑Militär den Betrieb regelmäßig über geplante Schießübungen, die den Rhythmus des Forstbetriebs prägen. Rund um die Schießstätten ist der Wald gezielt aufgebaut, denn die Mischung der Baumarten dient als natürlicher Lärm‑ und Staubschutz. Der Staub ist allgegenwärtig, viele Bäume wirken das ganze Jahr über weiß, und selbst kleinere Waldbrände der vergangenen Monate haben Spuren hinterlassen, sichtbar etwa vom Schwarzen Berg aus. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie stark die militärischen Übungen die Natur beeinflussen. Forstbetriebsleiter Alexander Krone betont jedoch, dass nicht jeder Eingriff Schaden bedeutet: Wenn Panzerreifen den Boden aufwühlen, entstehen neue Strukturen, in denen sich seltene Insektenarten ansiedeln. Die Kombination aus Wald, offenen Flächen und zahlreichen Gewässern schafft Lebensräume, die außerhalb des militärischen Areals kaum vorkommen. Genau dort, wo früher Orte wie Haag lagen, befindet sich heute ein Gebiet, das zu den ökologisch wertvollsten Vegetationsräumen Bayerns zählt und in dem Natur, Nutzung und Geschichte eng miteinander verwoben sind, so Krone.
(ls)