Steinberg am See
Vom Kinderparadies zum Lost Place: Der Ponyhof Steinberg
Seit acht Jahren ist der Ponyhof in Steinberg am See geschlossen. Das einstige Kinderparadies verfällt. Für unsere Rubrik „30 Jahre – 30 Geschichten“ haben wir die Historie des Ponyhofs erforscht und blicken auf seine Zukunft.
Der 22. Mai 1969: Die Geburtsstunde des Ponyhofs in Steinberg am See. Damals gab es noch keinen See – es war einfach nur Steinberg. Der örtliche Pfarrer Michael Gschwendtner bot im Pfarrgarten erste Pony-Führungen an. Immer mehr Spielgeräte kamen hinzu – vieles in Eigenbau, wie der berühmte Fasslwagen, der für viele Besucher untrennbar mit dem Ponyhof verbunden war. Aus dem anfangs kleinen Angebot entwickelte sich nach und nach ein Mini-Freizeitpark.
Der Ponyhof war ein Wahrzeichen Steinbergs. Generationen von Kindern verbrachten dort ihre Zeit, während die Erwachsenen ihre Kinder beim Spielen und Ponyreiten beobachteten. Ein Gesicht war besonders eng mit dem Ponyhof verbunden: Frieda Hinter. Gemeinsam mit wenigen Mitarbeitern und zahlreichen ehrenamtlichen Helfern hielt sie den Betrieb über viele Jahre am Laufen.
Ohne Geld keine Zukunft
Wirtschaftlich war der Ponyhof dabei nie eine Goldgrube. Vielmehr war er ein Projekt, das von persönlichem Engagement und Leidenschaft lebte. Viele Arbeitsstunden wurden von Helfern geleistet – Arbeitsstunden, die sich rein wirtschaftlich wohl niemals hätten bezahlen lassen. Doch irgendwann reichte die Leidenschaft allein nicht mehr aus.
Die Spielgeräte wirkten irgendwann wie aus einer anderen Zeit. Wartung, Sanierung und notwendige Umbauten hätten erhebliche Investitionen erfordert. Für die Verantwortlichen war das auf Dauer nicht mehr zu stemmen. Auch die Gemeinde hätte den Ponyhof nach Angaben von Bürgermeister Christian Meßmann finanziell nicht weiter betreiben können. 2018 kam schließlich das Ende. Die Ponys zogen aus. Seitdem verfällt das Gelände.
Wie kann es weitergehen?
Lange blieb offen, was mit dem ehemaligen Ponyhof geschehen soll. Erst im vergangenen Jahr kam Bewegung in die Sache: Nach sieben Jahren Brache kaufte die Gemeinde das Gelände von der Kirche. Eine einfache Nachnutzung ist allerdings nicht möglich. Eine entscheidende Rolle spielt der Schreckerbach. Bei Starkregen kann er schnell über die Ufer treten. Große Teile des ehemaligen Ponyhof-Geländes liegen deshalb im Überschwemmungsgebiet.
Laut Meßmann sei sich der Gemeinderat einig: es soll eine Art Wohnen im Alter an den alten Ponyhof kommen. Wie das genau aussehen soll, das ist allerdings noch nicht klar. Eine Idee ist ein Mehrgenerationenpark auf der überschwemmungsgefährdeten Wiese. Die Gebäude könnten weiter hinten oder auf der anderen Seite des Bachs entstehen.
Ganz verschwinden soll die Geschichte des Ponyhofs dabei möglicherweise nicht. Einige der alten Geräte könnten erhalten bleiben und künftig im neuen Park oder an einem anderen Ort aufgestellt werden. Auch für die Feuerwehrkutsche gibt es bereits konkrete Überlegungen. Sie könnte künftig wieder für Touren rund um den Steinberger See eingesetzt werden.
Keine schnelle Entscheidung
Wie das Gelände letztlich aussehen wird, ist allerdings noch offen. Eine endgültige Entscheidung über die Zukunft des ehemaligen Ponyhofs erwartet Bürgermeister Meßmann frühestens Ende 2027.
Bis dahin bleibt der Ort, wie er heute ist. Ein verlassener Ponyhof, langsam überwuchert von der Natur und gezeichnet vom Rost. Ein Lost Place, der inzwischen eine ganz andere Art von Besuchern anzieht. Und eine Erinnerung an einen Ort, der für viele Menschen in der Region einst untrennbar zu ihrer Kindheit gehörte.
(sb)