Amberg
Stadtwache Amberg macht den Dreißigjährigen Krieg erlebbar
Gewaltige Feldkanonen, handgeschmiedete Rüstungen und vieles mehr versteckt sich im Arsenal der Stadtwache Amberg. Der Verein hält die Erinnerung an den Dreißigjährigen Krieg wach – eine Epoche, die die Stadt wie kaum eine andere geprägt hat.
Ein Arsenal, mit dem sich vor rund 400 Jahren beinahe eine halbe Armee ausstatten ließ: Im Amberger Schmalzstadel und im Wingershofer Tor lagern Waffen und Ausrüstung, Repliken aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Von einfachen Spießen und historischen Handwaffen bis hin zu schweren Feldkanonen reicht die Sammlung.
Das Arsenal gehört der Stadtwache Amberg – einem Verein, der seit 1995 an den Dreißigjährigen Krieg erinnert. Es sei eine der prägendsten Epochen in der Geschichte der Oberpfalz, erzählt Hauptmann Klaus Günther. Deshalb habe sich der Verein auf diesen Krieg konzentriert. Ins Leben gerufen wurde er vom damaligen Oberbürgermeister Wolfgang Dandorfer, der vom „Stiber-Fähnlein“ aus Sulzbach-Rosenberg eine historische Flagge erhielt und diese ordentlich empfangen wollte.
Nicht nur zum Anschauen
Rund 80 Mitglieder zählt die Stadtwache inzwischen. Viele von ihnen kommen ursprünglich aus Schützenvereinen aus der gesamten Region. Neben der Beschäftigung mit Geschichte spielt auch traditionelles Handwerk eine wichtige Rolle. Einen großen Teil ihrer Ausrüstung haben die Vereinsmitglieder selbst angefertigt – darunter Kanonen, Wagen und weitere Bestandteile eines historischen Feldlagers.
Zum Einsatz kommt das selbstgebaute Equipment regelmäßig. Bei historischen Veranstaltungen in der Region wird die Ausrüstung verladen und vor Ort zu einem kompletten Feldlager aufgebaut. Auch die Kanonen werden abgefeuert – dafür sei der Verein bekannt, so Günther. So wird Geschichte nicht nur ausgestellt, sondern auch praktisch erlebbar gemacht.
Die Kurfürstenstadt Amberg
Dass Amberg für die Stadtwache ein besonderer Ort ist, hat dabei einen historischen Hintergrund. Die Stadt war einst Hauptstadt der Oberen Pfalz und zugleich Garnisonsstadt. 1621 wurde Amberg von den Truppen der Katholischen Liga eingenommen, doch ihre Bedeutung blieb. In den letzten Jahren des Dreißigjährigen Krieges entwickelte sich die Stadt zu einer regelrechten Festung. Neben der Stadtmauer entstanden zahlreiche Schanzen vor den Toren.
Vom Glanz einer Festungsstadt war das Leben der Menschen allerdings weit entfernt. Amberg wurde zwar während des Dreißigjährigen Krieges nie militärisch erobert, dennoch hinterließ der Konflikt deutliche Spuren. Wie große Teile der Oberpfalz hatte auch die Stadt unter den Folgen des langen Krieges zu leiden.
Heute erinnert die Stadtwache Amberg an diese Zeit und hält ein Stück dieser Geschichte lebendig. Bei Führungen durch das Wingershofer Tor können Besucher die historischen Waffen und Ausrüstungsgegenstände gelegentlich selbst entdecken – und dabei einen Blick hinter die Kulissen eines Vereins werfen, der Geschichte nicht nur bewahrt, sondern auch selbst gestaltet. Weitere Infos gibt es auf der Webseite der Amberger Tourist Info.
(sb)