Amberg
KI-gestütztes Ertrinkungserkennungssystem im Kurfürstenbad
Ertrinken geschieht leise. Menschen geraten unauffällig in Not und dann kommt es auf jede Sekunde an. Doch gerade wenn es voll ist im Bad, kann das Personal nicht alle Badegäste in jedem Moment im Blick behalten – wertvolle Sekunden verstreichen, bevor ein Notfall erkannt wird. Um das Personal zu unterstützen und die Sicherheit der Badegäste zu erhöhen, baut das Kurfürstenbad in der aktuellen Sanierungsphase ein Ertrinkungserkennungssystem ein, das Badeunfälle frühzeitig erkennen soll.
Mit 46 Kameras will das Kurfürstenbad in Amberg in Zukunft die Sicherheit der Badegäste erhöhen. Diese filmen das Geschehen im Bad von der Decke. Eine Künstliche Intelligenz analysiert das Geschehen dann in Echtzeit. Bemerkt diese etwa ungewöhnliche Körperhaltungen, Bewegungsmuster oder Regungslosigkeit, sendet sie eine Alarmmeldung an die Smartwatch des Badepersonals, das dann gezielt und schnell eingreifen und zur Hilfe kommen kann. Die Künstliche Intelligenz fordert zudem Feedback an, ob der gemeldete Fall tatsächlich ein Notfall war. So kann das System beständig dazulernen, die Zahl der Fehlermeldungen reduzieren und zuverlässiger werden.
Etabliertes System soll Badeunfälle reduzieren
Nach zwei Reanimationen im vergangenen Jahr wollen die Stadtwerke mit der neuen Technologie die Zahl der Badeunfälle reduzieren. Die etwa 300.000€, die das System für Anschaffung, Lizenz und Instandhaltung kostet, sind es den Betreibern wert, denn wenn damit auch nur ein Menschenleben gerettet werden könnte, hätte sich die Anschaffung bereits gelohnt. Bei dem eingebauten System handelt es sich dabei um keinen Testlauf: Die Stadtwerke Amberg folgen damit den Bädern der Münchner Stadtwerke, die das System ebenfalls verwenden.
Kein Grund zur Sorge um Datenschutz
Die Stadtwerke Amberg antizipieren mögliche Datenschutzbedenken und Sorgen der Badegäste um ihre Privatsphäre. Besorgte Gäste können sie jedoch beruhigen: Die Aufnahmen der Kameras wären auf keinem Bildschirm zu sehen und dienten ausschließlich der Analyse der Situation, auf den Smartwatches des Personals sind einzelne Menschen nur als Punkte dargestellt. Personenbezogene Daten wie Geschlecht, Hautfarbe oder Gesichter würden weder gesammelt noch gespeichert, die Analyse erfolge direkt im System und nach 24 Stunden würden alle Daten turnusmäßig gelöscht. Gerade weil das Amberger Kurfürstenbad sehr verwinkelt sei und die Bademeister nicht immer überall sein könnten, sei die Anschaffung sinnvoll.
(en)