Sulzbach-Rosenberg

Der Mensch hinter dem Stigma – Kunstwerke von Menschen mit psychischen Erkrankungen

Psychische Erkrankungen sind der zweithäufigste Grund dafür, dass Menschen sich krankschreiben lassen. Rund ein Viertel der Menschen in Deutschland kämpft mit psychischen Problemen. Sie sind also weiter verbreitet, als so mancher meinen würde. Doch gleichzeitig haben viele Menschen Vorurteile im Kopf, wenn es um psychisch kranke Menschen geht. Eine Kunstausstellung in Sulzbach-Rosenberg will genau hier ansetzen – und zeigt deswegen die Kunstwerke von Menschen mit psychischen Krisen.

Wenn Malen die Seele beruhigt

Eine davon ist eine 51-jährige Frau, die im Landkreis Amberg-Sulzbach lebt. Sie will anonym bleiben, weil sie in ihrem Leben immer wieder mit Abhängigkeit gekämpft hat. Illegale Drogen und Alkohol gehörten lange Zeit zu ihrem Alltag dazu. Inzwischen hat sie einen Umgang damit gefunden, eine Therapie gemacht. Und das Malen hilft ihr dabei. „Ich finde halt, viele Dinge kann man gar nicht mit Worten ausdrücken. Farben und Formen finde ich da schön dafür.“, erzählt sie. „Oft ist es so, dass ich mein Kunstwerk angucke und selber gar nicht weiß, was das eigentlich heißen soll. Ich hatte es schon öfter, dass letztendlich das Bild selbst dann zu mir gesprochen hat, wenn ich mehr drüber nachgedacht habe.“

Die Bilder der 51-Jährigen sind nun in einer Ausstellung zu sehen. Im LCC in Sulzbach-Rosenberg sind Kunstwerke ausgestellt – geschaffen von Menschen in seelischen Krisen, mit psychischen Erkrankungen, mit Suchterfahrungen. „Das Schöne ist, dass wir hier die Kunst von Menschen sehen, die letztendlich auch eine Heilungsweg dadurch empfunden haben“, erklärt Benjamin Treffert. Er ist Leiter der Caritas-Suchtambulanz in Amberg und damit Teil der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft Amberg/Amberg-Sulzbach. Diese Arbeitsgemeinschaft steht hinter der Ausstellung. Sie beteiligt sich damit an der bundesweiten „Woche der seelischen Gesundheit“.

Vorurteile gegenüber psychischen Erkrankungen abbauen

Der Gedanke der Ausstellung: Vorurteile gegenüber Menschen mit psychischen Erkrankungen abzubauen. Mit diesem Ziel beteiligt sich auch die Selbsthilfegruppe „Jung, Aktiv und Gemeinsam“ aus Amberg an der Ausstellung. Die Selbsthilfegruppe besteht aus jungen Erwachsenen mit psychischen Erkrankungen. Zum Beispiel Traumata, Angst- oder Essstörungen.

Sie zeigen bei der Ausstellung ihre eigenen Kunstwerke – und erzählen in einem Begleitheft ihre Geschichten. „Ich finde, dass zu wenig über diese Erkrankungen gesprochen wird“, so Julia, eine der Mitgründerinnen der Selbsthilfegruppe. „Unser Ziel war es, den Leuten eine Plattform zu geben für Sichtbarkeit. Weil auch so viele Falschinformationen oder Klischees über psychische Erkrankungen verbreitet sind.“

„Man sollte niemals aufgeben“

Psychische Erkrankungen sind nicht selten. Etwa jeder vierte Erwachsene in Deutschland ist betroffen, so die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie. Seelische Krisen können jeden treffen – und sind kein Zeichen von Schwäche. Eine Botschaft ist der 51-jährigen Künstlerin wichtig: „Dass alle Menschen, die mit sich selbst im Argen sind und sich aufgeben wollen oder sich schämen – dass die wissen, dass es Hoffnung gibt und dass es trotzdem noch ganz viele schöne Dinge gibt. Und dass man nicht aufgeben sollte. Niemals.“

(az)

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