Weiden
Wo endet Israelkritik, wo beginnt Antisemitismus? Diskussion mit Henryk M. Broder in Weiden
Antisemitismus oder legitime Kritik an Israels Politik? Diese Frage hat bei einer Veranstaltung mit dem Publizisten Henryk M. Broder im Weidener Postkeller für intensive Diskussionen gesorgt. Eigentlich sollte der Autor aus der Neuauflage seines Buches „Der ewige Antisemit“ lesen. Stattdessen entwickelte sich, auf Einladung der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Weiden, ein mehr als zweistündiger Austausch mit dem Publikum über aktuellen Antisemitismus und den Nahostkonflikt.
Broder beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Judenhass und dessen Erscheinungsformen. Im Mittelpunkt des Abends stand unter anderem die Frage, ob Kritik am Vorgehen Israels im Gaza-Konflikt automatisch als antisemitisch einzustufen ist. Während Broder die Ansicht vertrat, dass sich der traditionelle Judenhass heute häufig auf den Staat Israel als jüdisches Kollektiv verlagert habe, widersprachen einige Besucher. Sie forderten eine klare Trennung zwischen legitimer Israelkritik und Antisemitismus. Mehrere Zuhörer brachten ihre Sichtweisen ein und suchten das direkte Gespräch mit dem Autor. Auch die Bedeutung geschützter Räume für Juden wurde thematisiert. In der Neuauflage seines Buches schreibt Broder: „Solange Juden die Option haben, nach Israel zu gehen, können sie bleiben, wo sie sind…“. Die Debatte über Antisemitismus, Israel und die gesellschaftlichen Folgen des Nahostkonflikts prägte den gesamten Abend und beschäftigte Publikum und Referenten über zwei Stunden lang.
(ls)