Weiden

Wie fit sind die Blue Devils wirklich? Sportwissenschaftler Simon Heidenreich im Talk

Status quo

Heidenreich erklärte, dass bereits in der Sommerphase der Grundstein für die körperliche Fitness gelegt worden sei. Das habe weitgehend ohne größere Komplikationen funktioniert. Seit August und September werde die Belastung kontinuierlich gesteigert. Bei allen Spielern erkenne er dabei eine positive Entwicklung.

Um den Fitnesszustand der Mannschaft im Blick zu behalten, spiele die Arbeit mit Daten eine wichtige Rolle. Vor Saisonbeginn habe es einen Leistungstest gegeben. Ein weiterer sei für Dezember geplant. Zusätzlich würden nach jedem Training und jedem Spiel die erhobenen Daten ausgewertet. Dazu gehörten auch die Werte der Pulsgurte, die die Spieler während der Belastung tragen. Anhand dieser Ergebnisse könne das Trainerteam entscheiden, wie intensiv die Trainingswoche gestaltet werde.

Allerdings seien die Zahlen nicht alles. Mindestens genauso wichtig sei der persönliche Eindruck. Heidenreich achte darauf, ob Spieler müde oder möglicherweise bereits angeschlagen wirkten. Erst die Kombination aus Daten und Beobachtung ermögliche eine sinnvolle Trainingssteuerung.

Ziel sei es, sich auch körperlich einen Vorteil gegenüber anderen Mannschaften zu erarbeiten. Gerade im Eishockey komme es darauf an, zwischen den einzelnen Wechseln schnell zu regenerieren und das Tempo über die gesamten 60 oder sogar 65 Minuten halten zu können. Während der Saison wolle man deshalb möglichst verhindern, dass die körperliche Leistungsfähigkeit nachlasse.

Belastungssteuerung statt Training nach Gefühl

Wie das Training nach besonders intensiven Spielwochenenden aussieht, hänge stark von der individuellen Belastung ab. Bereits während eines Auswärtsspiels am Freitag beginne die Planung für das darauffolgende Wochenende. Dabei werde ausgewertet, welche Spieler besonders viel Eiszeit hatten und wer noch Reserven habe.

Vor allem das Dienstagstraining werde entsprechend angepasst. Spieler mit weniger Einsatzzeit müssten dann häufig mehr leisten, während stärker beanspruchte Akteure zusätzliche Erholung bekämen oder sogar einen freien Tag erhielten. So solle die Belastung möglichst gleichmäßig gesteuert werden.

Auch Verletzungen und Krankheiten stellten das Trainerteam immer wieder vor Herausforderungen. Heidenreich erklärte, dass sich anhand bestimmter Daten teilweise bereits frühzeitig erkennen lasse, wenn ein Spieler möglicherweise krank werde. Falle ein Spieler aus, müsse die Mannschaft dessen Belastung auffangen. Gleichzeitig dürfe das reguläre Mannschaftstraining nicht darunter leiden. Deshalb gebe es für verletzte Spieler individuelle Rehabilitationspläne, die sich beispielsweise je nach Ober- oder Unterkörperverletzung unterschieden.

Auch der Kopf spielt eine große Rolle

Neben der körperlichen Fitness sei auch die mentale Verfassung entscheidend. Besonders bei verletzten Spielern könne der eigene Leistungsanspruch zum Problem werden. Wer unbedingt schnell zurückkehren wolle, sich aber nicht so schnell verbessere wie erhofft, könne schnell in eine negative Gedankenspirale geraten.

Deshalb sei es wichtig, dass die Spieler selbst an ihre Fortschritte glaubten und auch vom Trainerteam sowie den Mitspielern positive Unterstützung bekämen. Kleine Fortschritte seien dabei besonders wertvoll.

Auch die Fans könnten einen Einfluss auf die Leistung haben. Gerade bei Derbys oder wichtigen Spielen sei die Stimmung auf den Rängen ein zusätzlicher Motivationsfaktor. Heidenreich könne sich noch gut an seine aktive Zeit als Spieler erinnern. Wenn die Fans nach einem Gegentor ruhiger würden, merke man das durchaus. Umgekehrt könne die Unterstützung nach einem eigenen Treffer die Mannschaft zusätzlich antreiben.

Wer im Kraftraum besonders fleißig ist

Einen kleinen Einblick hinter die Kulissen gab Heidenreich auch bei der Frage nach den fleißigsten Spielern im Kraftraum. Grundsätzlich würden sich alle Spieler engagieren. Besonders hervorheben würde er allerdings Lukas Ribarik und Charlie Jahnke. Auch die jungen Spieler Maxi Brunner und Eden-Angelus Hofverberg seien besonders fleißig. Sie gehörten häufig zu den Ersten, die zum Training kämen, und verließen den Kraftraum als Letzte. Insgesamt herrsche ein sehr positives Trainingsklima.

Ernährung als wichtiger Faktor für die Leistung

Ein weiterer wichtiger Baustein sei die Ernährung. Vor jeder Saison werde deshalb ein Ernährungswissenschaftler hinzugezogen. Zusätzlich gebe es Stoffwechselanalysen, um herauszufinden, wo die einzelnen Spieler noch Potenzial hätten. Konkrete Vorgaben für zu Hause gebe es allerdings nicht. Jeder Spieler sei selbst dafür verantwortlich, die Empfehlungen umzusetzen.

Besonders wichtig seien die richtige Ernährung rund um Training und Spiel sowie die Versorgung während der Regeneration.

Das beste „Post Game“- Essen in der DEL2

Beim Essen nach Auswärtsspielen habe Heidenreich bereits einige gute Erfahrungen gemacht. Besonders das Angebot in Bietigheim sei ihm positiv in Erinnerung geblieben. Dort habe es Kartoffeln mit Hähnchen und Gemüse gegeben – eine Kombination aus Eiweiß und Kohlenhydraten, die nach einem intensiven Spiel ideal sei. Auch in Rosenheim schmecke das Essen regelmäßig gut.

Gelegentliche Stopps bei Fast-Food-Restaurants auf der Heimfahrt gebe es zwar ebenfalls, allerdings eher selten. Vor allem nach Sonntagsauswärtsspielen komme das schon einmal vor.

Am Ende sei für Heidenreich klar: Die Ernährung mache sich unmittelbar bemerkbar. Wer sich ausgewogen ernähre und vor einem Spiel auf die richtige Zusammensetzung der Mahlzeiten achte, könne damit auch seine körperliche Leistungsfähigkeit positiv beeinflussen.

(ls)

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