Tillyschanz

Tillyschanz: Auf den Spuren einer vergessenen Festung

Meterbreite Wälle und tiefe Furchen ziehen sich durch den Waldboden nördlich von Tillyschanz. Schon auf den ersten Blick ist klar: Diese Spuren sind von Menschenhand geschaffen. Sie sind die Überreste einer historischen Befestigungsanlage – und erzählen von einer Zeit, die die Oberpfalz vom wohlhabenden Eisenexporteur zur ärmlichen „Stoapfalz“ machte: Der Dreißigjährige Krieg.

Die sogenannte Tillyschanze wurde erstmals 1611 von der pfälzischen Regierung angelegt. Sie war eine neuartige Verteidigungsanlage, die vor den damals modernsten Kanonen schützen sollte – eine der ersten ihrer Art. Die Tillyschanze zählt zu den frühen Beispielen einer Sternschanze – einer Befestigungsform, die sich erst im Laufe des 17. Jahrhunderts zunehmend verbreitete. Mächtige Wälle aus Erdreich, Holz und Stein boten eine Anlage, die die Pfalz vor einfallenden Plünderern aus Böhmen verteidigen sollte.

Die Schanze wird zur Tillyschanze

534 Arbeiter aus Eslarn, Waidhaus, Moosbach und Burgtreswitz sollen die Anlage buchstäblich aus dem Boden gestampft haben. Ihren heutigen Namen erhielt sie allerdings erst 10 Jahre später. Der katholische Feldherr Johann T’Serclaes von Tilly ließ die Befestigung weiter ausbauen und wusste sie im Krieg für sich zu nutzen. Hier besiegten seine Truppen die evangelischen Gegner, geführt von Ernst von Mannsfeld. In der Folge konnte Tilly innerhalb weniger Wochen die gesamte Oberpfalz erobern.

Auch andernorts in der Region entstanden solche Anlagen. In Weiden errichteten schwedische Truppen 1634 Schanzen, um die Stadt und ihre Umgebung zu sichern. Doch lange hielt ihre Wirkung offenbar nicht an: Bereits ein Jahr später wurde Weiden von kaiserlich-bayerischen Truppen zurückerobert.

Spuren einer anderen Zeit

Von den zahlreichen Befestigungsanlagen dieser Zeit sind heute nur noch wenige deutlich im Gelände erkennbar. Die Tillyschanze gehört zu den außergewöhnlich gut erhaltenen Beispielen. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass ihre militärische Nutzung nicht mit dem Ende des Dreißigjährigen Krieges vorbei war. Auch in den spanischen und österreichischen Erbfolgekriegen des 18. Jahrhunderts spielten die Befestigungen in der Region noch eine Rolle. Auch die Tillyschanze wurde über die Jahre aber deutlich in Mitleidenschaft gezogen. Beim Häuser- und Straßenbau im Laufe der Jahre wurden die südlichen Teile der Schanze zerstört.

Was noch übrig ist, das hat sich die Natur größtenteils zurückgeholt. Bäume wachsen auf den alten Wällen, Laub bedeckt die Vertiefungen und zwischen den Überresten der Befestigung ist kaum vorstellbar, dass hier einst Soldaten standen und Schlachten geschlagen wurden. Doch die breiten Gräben und aufgeworfenen Erdwälle machen bis heute sichtbar, was sich vor mehr als 400 Jahren an diesem winzigen Örtchen abspielte.

(sb)

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