Mehr als 80 Jahre lang gab es keine reguläre Busverbindung zwischen Bärnau und Tachov. Nun ist diese historische Lücke geschlossen: Mit einer feierlichen Eröffnungsfahrt wurde die neue grenzüberschreitende Buslinie zwischen Tirschenreuth, Bärnau und Tachov offiziell in Betrieb genommen.
Künftig werden hier die Busse an 365 Tagen im Jahr fahren. Unter der Woche fährt der Bus zwischen Tachov und Bärnau, an Samstagen und Sonntagen wird die Strecke bis nach Tirschenreuth verlängert. An diesen Tagen können auch bis zu sechs Fahrräder transportiert werden. Träger der neuen Linie ist der Bezirk Pilsen. Finanziell beteiligt sind die Stadt Tachov sowie der Landkreis Tirschenreuth.
Die erste Fahrt seit Jahrzehnten
Die Bedeutung der neuen Verbindung geht weit über den reinen Nahverkehr hinaus. Von der Errichtung des Eisernen Vorhangs nach dem Zweiten Weltkrieg bis zu dessen Fall im Jahr 1989 war die Grenze zwischen Bayern und Böhmen nahezu unüberwindbar. Jahrzehntelang trennte sie Menschen, Orte und Regionen voneinander. Dass eines Tages wieder ein Linienbus regelmäßig über die Grenze fahren würde, schien lange Zeit kaum vorstellbar.
Umso größer war die Vorfreude bei der offiziellen Premierenfahrt. In Tirschenreuth warteten zahlreiche Fahrgäste gespannt auf den ersten Bus. Während die Fahrt normalerweise 54 Tschechische Kronen, etwas mehr als zwei Euro, kostet, konnten die Gäste zur Eröffnung kostenlos mitfahren. Mit an Bord waren Vertreter aus Politik und weitere Ehrengäste.
Vom Großparkplatz in Tirschenreuth führte die erste Fahrt zum Geschichtspark Bärnau. Zeitgleich machte sich ein weiterer Bus mit einer tschechischen Delegation aus Tachov auf den Weg. Im Geschichtspark trafen beide Gruppen zusammen, um die neue Linie gemeinsam einzuweihen.
Grenzüberschreitende Arbeit
Die Idee einer grenzüberschreitenden Busverbindung begleitet die Region bereits seit vielen Jahren, mit Interessenten wie dem Verein Via Carolina – Goldene Straße e.V.. Entscheidenden Schwung erhielt das Vorhaben jedoch erst vor einigen Monaten. Maßgeblich daran beteiligt war der Tachover Stadtrat Matouš Horáček, der gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen in der Stadtverwaltung die Planungen vorantrieb und die letzten Hürden aus dem Weg räumte.
Bereits seit Jahren verkehren Reise- und Wanderbusse zwischen Bayern und Böhmen. Eine ganzjährig betriebene Linienverbindung stellt jedoch eine Besonderheit dar. Sie erleichtert nicht nur den Alltag von Menschen ohne eigenes Auto, sondern eröffnet auch neue Möglichkeiten für den Tourismus auf beiden Seiten der Grenze.
Der Tachover Busbahnhof wird künftig Ausgangspunkt der neuen Linie sein. Von dort aus verbindet der Bus regelmäßig zwei Regionen, die über Jahrzehnte getrennt waren – und macht die Grenze zwischen Bayern und Böhmen wieder ein Stück durchlässiger.
(sb)