
Neustadt an der Waldnaab
¡Bienvenidos in der Oberpfalz!
Fachkräftemangel in der Oberpfalz - Das Programm „El Salvador“ soll dem nun entgegenwirken. Es hilft jungen Menschen aus Mittelamerika dabei, ihre Ausbildung hier bei uns in der Oberpfalz zu absolvieren. Wir zeigen Ihnen was genau dahinter steckt.
Nachwuchs aus Mittelamerika
Neue Auszubildende für die Oberpfalz – und sie haben dafür einen weiten Weg hinter sich. Die 23 jungen Menschen kommen aus El Salvador, einem kleinen Land in Mittelamerika, und beginnen dank des gleichnamigen Programms ihre Ausbildung in der Region.
Das Projekt „El Salvador“ wurde ins Leben gerufen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Die teilnehmenden Betriebe kommen aus ganz unterschiedlichen Branchen. Besonders groß ist der Bedarf in der Pflege und Industrie. Künftig soll auch das Handwerk stärker eingebunden werden.
„In der Pflege ist natürlich immer Bedarf und natürlich auch in der Industrie“, erklärt Bernhard Lang, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Weiden. „Perspektivisch wollen wir natürlich auch das Handwerk noch mit ins Boot holen, weil da der Bedarf natürlich auch noch sehr groß ist.“
Ausbildung und Sprachkurs
Die Ausbildung dauert in der Regel dreieinhalb Jahre. Zusätzlich besuchen die Teilnehmer einen Sprachkurs, dessen Kosten der jeweilige Arbeitgeber übernimmt. Die Agentur für Arbeit Weiden begleitet die Betriebe während der gesamten Ausbildungszeit und unterstützt beispielsweise bei Fragen rund um Visum und Arbeitsmarktzulassung.
Grundlegende Deutschkenntnisse und einen Schulabschluss bringen die jungen Menschen bereits mit. Für sie ist die Ausbildung gleichzeitig der Start in einen neuen Lebensabschnitt.
„Es ist alles sehr interessant. Die Kultur, die Arbeit und die Schule. Das ist in El Salvador alles ein bisschen kompliziert“, erzählt Maria Somoza, die bei WITRON Logistik + Informatik ihre Ausbildung macht.
Auch Edgar Villafranco hat sich bewusst für seinen Ausbildungsberuf entschieden. Sein Interesse an Elektronik entstand bereits in der Schule in El Salvador. Ein Lehrer machte ihn schließlich auf die Möglichkeit aufmerksam, diesen Weg in Deutschland weiterzugehen.
Ein neuer Alltag bringt viele Fragen
Die Teilnehmer sind zwischen 18 und 25 Jahre alt. Für sie bedeutet der Neustart in einem fremden Land allerdings nicht nur eine neue Ausbildung, sondern auch einen völlig neuen Alltag.
Eine Infoveranstaltung im Landratsamt Neustadt an der Waldnaab soll deshalb bei vielen praktischen Fragen helfen. Dabei geht es um Dinge, die in Deutschland selbstverständlich erscheinen, für die Neuankömmlinge aber völlig neu sind.
„Hier wird den Jugendlichen erstmal so das Leben in Deutschland erklärt. Sowas wie das Pfandsystem oder auch den gelben Sack kennen sie aus ihrem Heimatland einfach nicht“, erklärt Stephan Bösl vom Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Weiden. Auch Themen wie Krankenversicherung, Hausarzt sowie Bus- und Bahnverbindungen stehen auf dem Programm.
Das Fachkräftezentrum als Begleiter
Unterstützung bekommen die jungen Menschen auch vom Fachkräftezentrum Nordoberpfalz. Es ist für die Teilnehmer ein wichtiger Ansprechpartner und soll ihnen dabei helfen, auch abseits von Ausbildung und Arbeit in der Region Fuß zu fassen.
Gemeinsame Freizeitveranstaltungen und Aktivitäten sollen Kontakte schaffen und den Neuankömmlingen helfen, sich nach und nach zuhause zu fühlen.
„Wir versuchen aus den Menschen, die neu zu uns kommen, eine Gruppe zu machen, die sich gegenseitig Halt gibt“, sagt David Runschke vom Fachkräftezentrum Nordoberpfalz.
Gute Erfahrungen mit dem Programm
Dass die Integration funktionieren kann, zeigen auch die Teilnehmer aus den vergangenen Jahren. Sie holten die 23 Neuankömmlinge vor wenigen Tagen persönlich am Flughafen München ab. Einige haben ihre Ausbildung inzwischen abgeschlossen und wollen auch weiterhin in der Region und ihren Betrieben bleiben.
Das bisherige Fazit fällt entsprechend positiv aus. Mittlerweile beteiligen sich 15 Betriebe am Programm. Insgesamt konnten bereits 96 Auszubildende aus El Salvador in die Region geholt werden – 95 von ihnen sind noch immer hier.
Auch künftig soll das Projekt weiter wachsen. Neben dem Landkreis Neustadt an der Waldnaab beteiligen sich bereits Unternehmen aus dem Landkreis Tirschenreuth und der Stadt Weiden. Die Agentur für Arbeit hofft, dass sich weitere Betriebe anschließen und noch mehr junge Menschen den Weg in die Oberpfalz finden.
(sos)