
Weiden
Tödliche Grenze – Spektakuläre Fluchtgeschichten am Eisernen Vorhang
Tödliche Grenze – so heißt das neue Buch der Journalistin Christine Ascherl. Darin beschreibt sie Fluchtgeschichten am Eisernen Vorhang. Ein Flüchtling war bei der Buchpräsentation auch vor Ort.
Das Bild aus dem Jahr 1968 mag etwas verschwommen sein. Aber es ist ein Foto, das Geschichte schreibt und vor allem beschreibt. Es zeigt Pavel Fidermak bei seiner Flucht über den Eisernen Vorhang in die Oberpfalz. Heute ist Pavel 80 Jahre alt, Kunstprofessor und zu Gast in Weiden bei der Buchvorstellung „Tödliche Grenze – zwischen Ostblock und Oberpfalz“ der Journalistin Christine Ascherl.
Fidermak erinnert sich noch heute an den Tag, der sein Leben für immer veränderte. Damals, am 21. August 1968 rollen 6300 Panzer des Warschauer Pakts in die damalige Tschechoslowakei ein, um den Aufstand Prager Frühling zu zerschlagen. Fidermak hört den Radiomoderator, der die Menschen aufruft, Ruhe zu bewahren. Genau diese Worte lösen bei ihm aber die Angst vor dem Krieg aus – und er flüchtet. Spontan, ohne irgendetwas dabei zu haben.
Die Grenze zwischen der Oberpfalz und dem Ostblock war damals im wahrsten Sinne des Wortes ein Eiserner Vorhang. Stacheldrahtzäune, Schlagbäume, bewaffnete Grenzsoldaten sollten Flüchtlinge aufhalten, sie notfalls töten. Fidermak hatte Glück – was ihm aber erst nach und nach dämmerte.
40 Todesfälle an der Grenze
Es sind Geschichten wie diese, die Ascherl für ihr Buch gesammelt und recherchiert hat. Es fiel ihr auf: Es waren vor allem junge Leute wie Pavel Fidermak, die den Mut zur Flucht hatten.
Nicht alle Geschichten in ihrem Buch enden mit einem Happy-end. Es kam nämlich auch zu etwa 1000 Todesfällen – etwa 40 an der Grenzue zu den Landkreisen Tirschenreuth, Neustadt an der Waldnaab und Schwandorf. Auch wegen Unfällen und Suiziden.
Eines wollte Ascherl den Gästen bei der Buchpräsentation am Ende mitgeben: Die Erinnerungen an den Eisernen Vorhang zeigen, dass Werte wie Freiheit und Demokratie nichts Selbstverständliches sind und dass viele Menschen bereit waren, unter Einsatz ihres Lebens Orte zu erreichen, die diese Werte leben.
(mz)