Weiden / Priština

30 Jahre 30 Geschichten: Kosovo – vom Krisengebiet zum Hochschulpartner

April 1998: Im Kosovo eskaliert ein brodelnder Konflikt. Serbische Sicherheitskräfte gehen mit brutaler Gewalt gegen die Bevölkerung vor. Tausende Menschen sterben, Hunderttausende fliehen. Das Leid bleibt auch in der Oberpfalz nicht ohne Folgen. Menschen sammeln Spenden, Städte nehmen Flüchtlinge auf. Insgesamt kommen mehr als 10.000 kosovarische Flüchtlinge nach Deutschland. Unter ihnen ist auch die damals 14-jährige Krenare Nuci.

Heute ist sie Assistenzprofessorin an der Universität Priština in der Hauptstadt des Kosovos. Ihre Erinnerungen an die Zeit in Deutschland sind bis heute präsent. Obwohl sie anfangs kein Wort Deutsch spricht, will sie unbedingt auf ein Gymnasium. Sie wird aufgenommen und schreibt Bestnoten in Mathematik. Heute unterrichtet sie in einer Stadt, die sie nach der Rückkehr in ihre Heimat völlig zerstört wiederfand.

Neuanfang im zerstörten Land

Der Wiederaufbau wird zur Aufgabe einer ganzen Generation. Gemeinsam mit ihren Freunden und Verwandten beginnen die Menschen, ihre Heimat von Grund auf neu aufzubauen. Auch politisch bleibt die Lage zunächst schwierig. Nach dem Ende des Kosovokriegs 1999 wird das Gebiet von den Vereinten Nationen verwaltet und bleibt unter internationaler Beobachtung. Für die Sicherung des Friedens sind auch zahlreiche Bundeswehr-Soldaten aus der Oberpfalz im Einsatz.

Erst 2008 erklärt das kosovarische Parlament die Unabhängigkeit. Bis heute erkennen nicht alle UN-Staaten den Kosovo als eigenständigen Staat an. International hat sich das Land dennoch etabliert – auch in der Wissenschaft. Die Universität Priština unterhält mittlerweile Partnerschaften in mehr als 40 Ländern.

Studenten aus der Oberpfalz reisen nach Pristina

Eine dieser Partnerschaften führt wieder zurück in die Oberpfalz. Seit 2019 besteht eine offizielle Kooperation mit der OTH Amberg-Weiden. Besonders im vergangenen Jahr haben die beiden Hochschulen ihre Freundschaft intensiviert. Gemeinsam mit 15 Studenten reiste die Wirtschaftspsychologin Prof. Dr. Gabriele Murry für eine einwöchige „Winter School“ nach Priština.

Murry möchte die Partnerschaft langfristig erhalten und weiter ausbauen. Auch Dr. Krenare Nuci und ihre Kollegin Prof. Dr. Gërbeshi setzen sich dafür ein. Aktuell arbeiten beide Seiten an neuen gemeinsamen Projekten. Zwei Studenten der OTH Amberg-Weiden planen zudem, für ihre Doktorarbeiten nach Priština zu reisen.

Für die Professorinnen aus Priština ist die Unterstützung aus Deutschland nicht selbstverständlich. Die Dankbarkeit dafür ist groß. Doch die Zusammenarbeit ist längst keine Einbahnstraße mehr: Während vor knapp 30 Jahren Menschen aus dem Kosovo in der Oberpfalz Schutz fanden, reisen heute Studenten aus der Region in den Kosovo, um dort zu lernen und gemeinsam zu forschen.

In weniger als drei Jahrzehnten hat sich aus Hilfe in einer Zeit der Not eine Freundschaft auf Augenhöhe entwickelt – mit einer gemeinsamen Zukunft, von der beide Seiten profitieren.

(sb)

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